Natural Horsemanship

Was ist eigentlich Natural Horsemanship?

Menschliche Kommunikation spielt sich nur zum kleinen Teil in rein kognitiven Bahnen ab. Viel gewichtiger ist emotionale Intelligenz im Erkennen unserer eigenen Motive und die der Anderen.

Um den Anderen richtig zu verstehen, sollten wir ihn sehr genau „lesen“ können, d. h. seine Körpersprache, seine Mimik, seinen gesamten Körperausdruck.

So können wir durch Rückschlüsse auf sein Inneres seinen eigentlichen Beweggründen ziemlich nahe kommen - sofern unser Gegenüber sich nicht verstellt. Pferde verstellen sich nie!

Wenn wir verstehen wollen, wie sie „funktionieren“, welche Motive und welches Wissen sie bewegen, dann müssen wir den Basischarakter des Pferdes verstehen, seine Evolution und seine Besonderheiten als Flucht- und als Herdentier.

Kurz: wir müssen die Körpersprache unseres Pferdepartners so exakt wie möglich lesen und sprechen lernen. Erfahrene Meister dieser Kunst, wie Pat Parelli, Mark Rashid oder Leslie Desmond u. a. vermitteln uns ein Grundwissen, das wir als Pferdefreunde mit eigenen Erfahrungen ergänzen.

Mit diesem Wissen und dem Respekt vor der Eigenart dieses Lebewesens, sowie dem Willen zu einer harmonischen Kommunikation wird das Pferd mit dem Menschen erstmals wirklich in Dialog treten.

Man sagt: „das Pferd ist der Spiegel des Menschen“. Wenn unsere Einstellung auf Respekt vor dem Tier basiert und mit dem nötigen Wissen über die Konditionierung des Pferdes und des Menschen gepaart ist, - dann nennen wir die praktische Anwendung dieses Wissens intelligentes Pferdetraining oder auch Natural Horsemanship.

Das Ziel

Ziel ist ein Pferd, das den angeborenen Oppositionsreflex aufgegeben hat und durch bereitwillige Kooperation zu einem verlässlichen Partner geworden ist. Der Zügel eines solchen Pferdes liegt ganz leicht in der Hand des Reiters. Jedes feine Signal zur Richtungsänderung, zum Wechsel der Gangart oder zu sonstigen Leistungen wird ein so ausgebildetes Tier blitzschnell umsetzen.

Das alles erreichen Sie mit intelligentem Pferdetraining, das sich durch Körpersprache dem Pferd mitteilt, - ohne Gewalteinwirkung in jedem Trainigsstadium.

Philosophie

Können sich Mensch und Pferd miteinander verständigen?
Ist von Sprache die Rede, denkt man meist nur an die verbale Kommunikation. Das Medium Körpersprache ist zwar prinzipiell bekannt, - im Detail herrscht hier jedoch große Unsicherheit. Zwar wird sie in unserem täglichen Leben ohne Pause von jedem von uns unaufhörlich "gesprochen", jedoch nur sehr selten bewusst eingesetzt. Bei der Kommunikation mit seinem Pferd muss der Mensch zuerst die artspezifischen Ausdrucksweisen dieser Tiere untereinander verstehen. Das lernt er durch sorgfältige Beobachtung.

Daneben muss er sich seines eigenen artspezifischen Körperausdrucks bewusst werden, da dieser - falsch gebraucht - sich sonst bei seiner Mitteilung an das Tier als hinderlich erweisen könnte. Erst jetzt kann sich der Mensch seinem Pferd wirklich verständlich machen, kann die unaufhörlich fließenden Mitteilungen des Tieres - körpersprachlich - lesen und beide können einen intensiven Kontakt aufbauen, der zu einer bisher ungekannten Partnerschaft beider Lebewesen führt.

Hier gibt es keine spektakulären Aktionen, sondern vielmehr gilt: Weniger ist mehr! Dann zählen nur die leisen „Töne“ einer meditativen Aufmerksamkeit. Denn Harmonie kann es nur geben, wenn der Mensch Intelligenz und Einfühlung einsetzt und so mit Respekt und Aufmerksamkeit bei seinem Gegenüber Vertrauen erntet.

Methode: „Intelligentes Pferdetraining“

Viel Kreativität, aber dennoch ein paar wenige Prinzipien:

  • Kenne die 5 Körperzonen Deines Pferdes.
  • Lerne seine Sprache zu lesen und seinen Körperausdruck zu deuten.
  • Beginne immer weich!
  • Nutze konzentriert die vier Energiestufen! So bist Du erfolgreich im Spiel mit dem Pferd und wirst berechenbar - ein wichtiger Schritt zum Aufbau von Vertrauen.
  • Sei dankbar für jeden noch so kleinen Versuch, den Dein Pferd macht, Deinem Auftrag zu entsprechen. Es ist das beste, was es im Augenblick leisten kann. Nimm blitzschnell jeden Druck weg! Negative Verstärkung ist das wichtigste Hilfsmittel bei der Pferdeausbildung.
  • Mache erwünschtes Verhalten angenehm und unerwünschtes Verhalten unangenehm.
  • Schlage nie, nie, nie Dein Pferd! Wenn etwas nicht klappt, höre auf, überdenke Deine Strategie und berichtige sie im Sinne dieser Prinzipien! Bedenke: Dein Pferd hat immer recht! Nutze Deine Intelligenz und Kreativität für die Entwicklung von Respekt, Harmonie und Vertrauen in der beiderseitige Beziehung.
  • Du kannst Dein Pferd niemals genug streicheln!
  • Spreche Deine Körpersprache exakt und deutlich. Wer nur lallt, kann sich auch in gesprochener Sprache kaum verständlich machen.
  • Exaktes Bodentraining am losen Seil ist die Basis für fast alle hohen Ziele, die Du mit Deinem Pferd hast.

Beispiele aus unserer Arbeit

Bodentraining in Reithalle
Bodentraining in unserer Reithalle

Aufzäumen ohne Widerstand
Aufzäumen ohne Widerstand und ohne Zwang

Führung durch Körpersprache
Führung durch Körpersprache und losem Zügel  

Nabran am losen Zügel
Kathrin mit Nabran am losen Zügel bei der Ausbildung zur Versammlung

Verladen
Kinder beim Verladen (Kinderkurs Sommer 2002)

Verladen von Pferd Baira
Melanie (9 Jahre) beim Verladen von Baira

Nasir beim Rückwärtsrichten
Nasir beim Rückwärtsrichten, Phase 1

Bodentraining
Bodentraining seitwärts mit Nabran

Verladen aus der Distanz
Verladen aus der Distanz