Planung eines Kurses mit tiergestützter Intervention zur sozialen Rollenfindung für Jugendliche der St. Vincent-Schule Regensburg auf dem Pferdehof Steinrinnen bei Regensburg.

Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren lösen sich aus dem Kreis der Familie und der vertrauten Freunde ihrer Kindheit. Sie verlassen die gewohnte Sicherheit und entdecken neue gesellschaftliche Horizonte. Sie lernen mit neuen Bezugspersonen neue Ziele zu setzen, diese aus eigenem Antrieb zu verfolgen und sich zu behaupten. Dieser Vorgang kann mit erheblichen Irritationen verbunden sein.
Wie können sie sich zu Personen entwickeln, die ohne Aggression und Gewalt, vielmehr überzeugend und in Harmonie mit ihren Partnern oder ihrem Team ihre Ideen realisieren?
Es gibt vielerlei Wege der Annäherung an dieses Ziel.
Die gängigen Verfahren sind Rollenspiele, also eine Art zweite, nachgespielte Realität oder als Alternative verschiedene Informationen, also Theorie, oder ein Mix aus beiden Methoden.
Wir bieten einen 3. Weg an und bringen Menschen mit Pferden zusammen. Für die Menschen ist diese Erfahrung Neuland und in jedem Fall unverstellte Realität. In dieser Erfahrung werden Freude, Angst, Erfolg oder zeitweiliges Scheitern tatsächlich und mit großer Intensität erlebt.

Wie geht das?

Menschen verstehen sich als Lebewesen in Gemeinschaft. Im fachkundig betreuten Spiel mit ebenfalls in der Gruppe lebenden Tieren, besonders mit dem vitalen und intelligenten Herdentier Pferd erkennt der Mensch viele Parallelen und lernt die Regeln einer kooperativen, gewaltfreien Gemeinschaft. Vor allem erfährt er die Sinnlosigkeit von Zwang und Gewalt. Viele Erfahrungen von intensiven Mensch-Pferd-Kommunikationen beweisen das.
Präzises Wissen über den tierischen Partner, die Fähigkeit zu beobachten und zu verstehen, was der Partner Pferd uns in seiner Körpersprache mitteilen will und auf der anderen Seite der jeweiligen Situation angepasstes Verhalten führen zu einer intensiven Kommunikation bei totaler mentaler und physischer Präsenz.
Für Menschen jeden Alters, besonders aber für Jugendliche, haben sich Pferde unter erfahrener Anleitung als ideale Partner für die Ausbildung von Verantwortung, Respekt, Präsenz im Sinne von Geistesgegenwart und überzeugendem Auftreten erwiesen.

Wir, Kathrin Kopp, Pferdewirtin und Dr. Hans Kopp mit über 20jähriger Erfahrung im sensiblen und gewaltfreien Pferde- und Menschentraining ermöglichen unseren Schülern erste Kontakte mit dem Pferd per Körpersprache zunächst über ein Anfangstraining auf dem Boden, später bis zum feinen, mit dem Pferd harmonisch abgestimmten Reiten. Dabei werden wir immer wieder Zeuge einer beeindruckenden Verwandlung der menschlichen Psyche zu mehr Selbstsicherheit, Präsenz und beglückender Harmonie mit dem Partner Pferd. Zusammen mit dem Wissen und der Erfahrung der Lehrer dieser Jugendlichen, welche ihre Stärken und Schwächen genau kennen, wird die individuelle Entwicklung der jugendlichen Psyche beim spielerischen Training mit dem Pferd unter gemeinsamer Anleitung intensiv gefördert.

Wir bieten dazu sensible, für diesen Zweck ausgebildete Warmblutpferde, eine moderne Reithalle, die ein konzentriertes Arbeiten von Menschen mit Pferden ohne Ablenkung erlaubt.
Kleingruppen mit maximal 4 Pferden und 8 Jugendlichen, wobei jeweils 2 Personen ein Pferd betreuen, erlauben einen effektiven Wechsel von Konzentration und Entspannung bei den Übenden, der ein optimales Ergebnis erwarten lässt.

Planung

Formaler Ablauf:

Beginn des Kurses mit einer fünftägigen Einübung der Grundlagen.
Anschließend zweiwöchentliche Übungseinheiten bis zum Schuljahresende, bestehend aus Arbeits- und Übungseinheiten mit dem Pferd. Termine sind noch zu vereinbaren.
Abschluss der gesamten Übungsperiode mit Ausritt und Picknick für alle Jugendlichen unter Beachtung ihrer reiterlichen Fähigkeiten.
Die Beförderung der Jugendlichen sollte nach Möglichkeit von einem erfahrenen Unternehmen für Personentransporte ausgeführt werden.
Die Übungen mit den Pferden bis hin zum selbst bestimmten Reiten werden von Kathrin Kopp, Pferdewirtin, betreut Die Organisation aller Arbeiten und Übungen besorgt Dr. Hans Kopp in enger Absprache mit dem anwesenden Heilpädagogen.

Ideelle Ziele:

  • Selbstbestimmter Arbeitsablauf / Selbstorganisation
  • Sicherheit in der Kommunikation
  • Klare Körpersprache
  • Einfühlung in den Partner
  • Vermeidung von Gewalt
  • Emotionen zulassen und zeigen
  • Fachliches Know-how
  • Lebendige Präsenz, keine Simulationen des Realen
  • Ablauf der Übungen in Kleinstgruppen, individuelle Betreuung, Vorrang bei der Praxis

Konkrete Lernziele mit dem Pferd und bei der Arbeit rund ums Pferd:

  • Grundkenntnisse der Anatomie des Pferdes
  • 5 Körperzonen des Pferdes und ihre Bedeutung
  • Hufe heben und reinigen
  • Grundübungen beim Training mit dem langen Seil am Boden: seitwärts, rückwärts, zirkeln etc.
  • Halfter anlegen und Knoten ausführen können
  • Aufsatteln
  • Sicherheitsgrundlagen wie z. B. Ausführung eines Notstopps beim Reiten
  • Einüben von Führungseigenschaften, Führen ohne Zwang,
  • Verstehen der Körpersprache des Pferdes und Einsatz einer eigenen effektiven Körpersprache in der Kommunikation mit dem Tier
  • Verwendung von Energiestufen mit gesteigerter Intensität zur Durchsetzung von pferdegerechter Ziele
  • Harmonie mit dem Tier
  • Erfahren der Wildheit eines Pferdes und seiner Sanftheit im pferdegerechten Dialog
  • Mein Gegenüber spiegelt mein Verhalten
  • Akzeptanz eines festen Pferdepartners
  • Übernahme von Pflichtaufgaben bei der Pflege des Partners
  • Entscheidung bei der Auswahl von zusätzlichen freiwilligen Aufgaben
  • Ablauf aller Arbeiten im Rahmen einer Selbstkontrolle der Jugendlichen
  • Zulassen von Kritik Gleichaltriger am eigenen Arbeitserfolg

Methodik und Hilfsmittel:

  • Vor und nach jeder Übungseinheit Diskussion der Schwerpunkte des Unterrichts
  • Verdeutlichung an der Flipchart
  • Alle Abläufe werden sachlich begründet, damit ein Verständnis für die immanente Logik des Verfahrens entsteht
  • Roter Faden: Einsatz von Kreativität und Selbstdenken macht Spaß und ist immer erfolgreich. Gewalt und Zwang führen notwendig zum Misserfolg
  • Videobegleitung (für die Teilnehmer freiwillig) um eine exakte Körpersprache zu entwickeln

Beispiel des Ablaufs einer Übungseinheit (abschließendes Treffen 2007 / 2008)

23.7.2008

Übungsplan

Pflegepferde:
  • Lena / Andre
  • Schimmel / Dominic
  • Felina / Dennis
  • Madijan / Kai
  • Golddigger / Marcus
  • Poesie / Jaqueline
Pflichtarbeiten:

Box des Pflegepferdes reinigen (max. 15 Minuten)
verunreinigtes Stroh entfernen / gutes Stroh in einer Ecke häufeln und nicht mit Heu vermischen, Wassereimer leeren und wieder auffüllen

Pferd putzen auch Hufe reinigen, Mähne und Schwanz bürsten (alle Werkzeuge nach Arbeitsende säubern)

Wahlweise Arbeiten:

Paddocks (oben) reinigen
Paddocks (unten) reinigen
Verbindungsweg Scheune - Reithalle kehren
Hof kehren (vor dem Misthaufen)

Organisatorischer und zeitlicher Ablauf:

Nach Ankunft: fünf Minuten Reflexionszeit.
Die Schüler sollen Pflege- und Putzarbeiten selbst regeln.
Ein Schüler (und Vertretung) ist zu bestimmen, der während der Putz- und Pflegearbeiten das Arbeitsergebnis begutachtet und Verbesserungsvorschläge einbringt.

  • 10:35 bis 11:10 Uhr
    Bodentraining in der Halle: Dennis mit Nasir, Andre mit Baira
  • 11:10 bis 11:45 Uhr
    Bodentraining in der Halle: Dominic mit Nasir, Kai mit Baira
  • 11:45 bis 12:20 Uhr
    Bodentraining in der Halle: Jaqueline mit Nasir, Marcus mit Baira

Zum Abschluss der Übungs- und Arbeitseinheiten nochmals 10 min. Reflexionszeit.

Für jeden die Frage:

Was hat mir die vergangene Zeit mit den Pferden gebracht?
Was hat mir gefallen?
Was hat mir geholfen?
Was sollte man anders machen?